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von Clemens Levermann (ID-472)

Am 17. März 1904 bin ich als Sohn des Schmiedemeisters Josef Levermann in Blintrop geboren. Mein Vater ist am 22. August 1863 in Blintrop geboren. Die Schmiedelehre hat mein Vater in Affeln bei einem Schmied "Kremer" gemacht. Danach ist er als Geselle auf mehreren Stellen tätig gewesen. 1884 - 1885 hat er sein Dienstjahr als Infanterist in Kassel abgedient. Danach ist er als Geselle auf Wanderschaft gewesen.

Sein Schulkamerad Franz Sauer-Sasse baute in Blintrop ein neues Wohnhaus mit Stallungen. Dieser bat meinen Vater, die Schmiedearbeiten an seinem Bau auszuführten. Mein Vater war damals in Gelsenkirchen als Geselle beschäftigt. Seine erste Arbeit war, sämtliche Beschläge an Türen und Fenster am Bau von Sauer-Sasse auszuführen. Es waren die Jahre 1887 - 1888. Im Jahre 1887 hat mein Vater in Blintrop die Schmiede eröffnet. Und zwar in einem kleinen Raum des jetzigen Geschäft Schumacher, früher Schierhoff genannt. Am 17. Februar 1894 wurde in Blintrop ein Bauernhaus mit Grundstück (Wald und Weide und Felder) verkauft. Mein Vater hat das Haus Ahlefeld, genannt Weidekamp, mit 52 Ar zum Preis von 2.408,60 Goldmark gekauft. Bei dem Grundstück standen 2 Bäume: Eine Eiche und eine Esche. Für die zwei Bäume hat mein Vater, da sie auf dem Gemeindegrundstück standen, am 09.04.1896 an die Gemeindekasse in Balve 25,00 Goldmark bezahlt. Quittiert von Kassenrendant Grundhoff Balve. Das Bauernhaus ist im Frühjahr 1894 abgerissen worden und in demselben Jahr 25m näher zur Straße in einer anderen Form mit Schmiede neu aufgebaut worden. Die Zeichnung hat ein Architekt Hillebrand von Asbeck gemacht. Am 14. Juli 1894 ist das Haus gerichtet worden. Die baukosten betrugen sich auf 5.680,00 Goldmark. In den Kosten waren enthalten: Steine, Sand, Kalk, Holz und Handwerkerlöhne ohne Eigenleistung von meinem Vater und Großvater. Eisenbeschläge an Türen und Fenster hat mein Vater selbstgemacht.

Meine Mutter Theresia geb. Fröndt war Näherin und hatte von ihrem Onkel, den sie in den alten Tagen gepflegt hatte, ein kleinen Haus mit Grundstück geerbt. Dieses Haus mit Grundstück hat sie an ihren jüngsten Bruder Bernhard für 600,00 Goldmark verkauft am 15.02.1896. Das Geld hat sie mit an dem Bau angelegt.

Am 30. Mai 1895 haben mein Vater und meine Mutter geheiratet und sind in das neue Haus eingezogen. Dieser Ehe sind sieben Kinder entsprungen.

Mein Großvater ist am 13. Oktober 1835 in Albringen (Hönnetal) geboren - gestorben am 19. Dezember 1910

Meine Großmutter, geboren Midderhof ist in Blintrop geboren am 09. Januar 1832 - gestorben am 13. Mai 1902

Die Eltern meiner Mutter: Vater Engelbert Fröndt - geboren am 12. September 1824 - gestorben am 11. Februar 1900. Mutter Anna Katharina, geborene Lappe, geboren am 04. September 1829 - gestorben am 15. November 1889

Mein Vater Josef ist in Blintrop geboren am 22. August 1863 - gestorben am 10. März 1943

Meine Mutter ist auch in Blintrop geboren am 09. März 1867 - gestorben am 09. Februar 1955

Meine Eltern hatten sieben Kinder:
Theresia, geboren am 20.05.1896 - gestorben am 30.11.1953
Mathilde, geboren am 02.10.1897 - gestorben am 16.11.1916
1 Sohn, geboren am 20.01.1899 - gestorben am 20.01.1899
Josef, geboren am 04.03.1901 - gestorben am 13.04.1901
Josefa, geboren am 26.03.1902
Clemens, geboren am 17.03.1904
Bernhard, geboren am 15.10.1909

Aus meinem Leben möchte ich einige Erlebnisse schildern:

Aus meiner Kinderzeit kann ich mich noch gut an das Manöver von 1908 erinnern. Die Artillerie stand mit ihren Kanonen auf der Kuschert. Die Infanterie kam vom Mostenberg. Meldereiter sprengten mit ihren Pferden quer +ber die Felder. Ich habe mich immer an meinem Opa festgehalten.

Auf unserer Tenne hatten wir zwei Pferde stehen.

Das eine Bild habe ich noch klar vor Augen. Der Prinz von Sachsen kam mit seinem Gefolge, mit Lanzen und Fahnen durch das Dorf geritten. Wir Kinder natürlich hinterher. Ein Bernhard Cormann-Brinkmann aus unserem Dorf machte seine Dienstjahre und war als Meldereiter mit dabei.

Auch habe ich noch eine schöne Erinnerung, wie ich mit meinem Opa, mit dem Pferdepostwagen, von der Kuschert nach Werdohl zu meinem Onkel Heinrich gefahren bin. Auf dem Benkamp gab der Postilion schon das Signal mit dem Posthorn zum fertigmachen. Es war ein schönes Erlebnis.

Auch der Tag, an dem die erste Eisenbahn von Balve nach Neuenrade fuhr, steht mir noch klar vor Augen. Ich stand mit meinem Vater oben auf der Kuschert und wir haben uns angeschaut, wie die Lokomotive mit mit ihren Wagen (alles bekränzt) durch das Tal nach Neuenrade fuhr. Von Balve bis Neuenrade war nur ein Pfeifton zu hören. Das war im Jahre 1911.

Am 01. April 1910 musste ich nach Affeln zur Volksschule.

1911 war ein heisser Sommer. Wir hatten immer Spass, denn um 11.00 Uhr mussten wir in Affeln sein, aber halbwegs kamen uns dann die Älteren Mitschüler entgegen und sagten, wegen der grossen Hitze hätten wir keine Schule. Hurra, Hurra und wir gingen nach Hause.

Den ersten Zeppelin habe ich im Jahr 1913 gesehen. Wir kamen von Affeln aus der Schule. Auf halben Wege in der Warmke hörten wir ein Brummen in der Luft. Wir schauten nach oben und da kam der Zeppelin über den Berg geflogen. Er sah aus wie eine grosse Zigarre und flog in Richtung Werdohl weiter, wo er eine Runde drehte und dann weiter flog. Nachher wussten wir, warum er die Runde gedreht hatte. In dem Zeppelin war ein Fabrikant aus Werdohl, "Colsmann" mit Namen. Dieser Herr hatte sich finanziell am Bau des Zeppelin beteiligt.

Im selben Jahr haben wir in Blintrop das elektrische Licht bekommen. Es war für uns Kinder was Neues, Licht mit dem Schalter an und aus zu machen. Die Bauern bekamen Elektromotoren. Die früheren Kraftantriebe (Göpel), mit Pferden bespannt, wurden nicht mehr benutzt.

Und dann kam das Jahr 1914. Wir waren als Kinder auf der Strasse am spielen, es war der 01. August, da kam der Vorsteher (heute Bürgermeister) mit der Glocke und einem Papier und gab die Mobilmachung bekannt. Meine Eltern waren im Heiligen Feld am Hafer mähen. Ich lief schnell hin und sagte ihnen, dass Mobilmachung sei. Mein Vater warf die Sense zu Boden und war sehr betrübt. Wir Kinder konnten das gar nicht begreifen.

Am nächsten Tag mussten schon die ersten Männer aus unserem Dorf Soldaten werden. 1915 kamen schon die ersten Todesanzeigen. 1916 machte sich der Krieg bei uns auch schon bemerkbar. Schuhe und Zeug waren kaum noch zu haben. Ich vergesse es nicht; meine Schuhe waren zu klein geworden, da wurden die Socken abgeschnitten, ein Band an den Strumpf angenäht und ich musste damit in Affeln die Prozession mitmachen. Als ich des Mittags nach Hause kam, waren meine Füße am bluten. Für den Alltagsschuh wurde ein Stück Brett in der Form des Fusses zurecht geschnitten. Zwei Riemen wurden darüber genagelt und fertig waren die Schuhe. Das einem beim Laufen das Blut von den Fussknöcheln tropfte, lässt sich denken. Mit diesen Schuhen (Sandalen) mussten wir auch, da wir eine Kuh, Ziegen und Schweine hatten, die Feldarbeiten verrichten. Das Essen wurde immer schlechter. Kartoffeln mussten abgegeben werden, Steckrüben war Mode. Von Runkelrüben wurde Kraut gekocht. 1917 war bei Cormanns in Niedernhöfen ein Gefangener (Franzose). Mein Vater wurde stellvertretender Gefangenenwärter. Ab und zu brachte er uns ein Stück Bisquit (französisches Weissbrot) mit. Dass war ein knochenhartes Weissbrot, aber wie uns das geschmeckt hat.

Am 01. September 1917 wurde ich von der Schule für ein halbes Jahr beurlaubt und musste meinem Vater in der Schmiede helfen, kam somit auch schon in die Schmiedelehre.

Am 01. April 1918 wurde ich aus der Volksschule in Affeln entlassen und musste dann in Balve bis zum 01. April 1921 die Fortbildungsschule besuchen.

Das Radfahren habe ich auf einem Fahrrad mit Spiralfedern gelernt, Gummi gab es nicht. Eine Fahrradglocke brauchte man nicht, denn Krach machten schon die Spiralfedern.

Im November 1918 war der Krieg zuende. Unsere Soldaten kamen mit Pferd und Wagen über die Kuschert in Richtung Balve zurück.

Hier im Dorf war immer Einquartierung. Wir beherbergten vier Soldaten und zwei Pferde. Ich vergesse es nicht; ein Soldat hatte in seinem Wagen 100 kg Reis und wir bekamen 25 kg mit. Welche Freude für unsere Mutter und uns.

Ich bekam von einem Soldaten (er war von Dortmund) einen neuen Anzug. Aber als ich einmal im Regen gewesen war, passte er nicht mehr. Er war viel zu klein geworden.

Im November 1918 hatte mein Vater von den Soldaten ein Fahrrad mit Gummibereifung gekauft. Mit diesem Fahrrad bin ich dann nach Balve zur Fortbildungsschule gefahren. Die Bereifung war nicht gut. Ein Freund aus Affeln musste auch nach Balve zur Schule und zu zweit konnten wir auf dem Rad nicht fahren. Da haben wir das anders gemacht. Einer von uns fuhr zwei Telefonmasten weit, stellte das Rad an den Masten und ging zu Fuß weiter. Wenn der andere beim Masten ankam, nahm er das Rad und fuhr damit wiederum zwei Telefonmasten weit, und so kamen wir schnell nach Balve zur Schule.

Am 21. März 1921 habe ich dann in Balve meine Gesellenprüfung abgelegt. In meiner Lehrzeit hatte ich meinen Vater gebeten, mir zwei Bücher zu kaufen (Technisches Praktikum hieß eines). In diesen Büchern war eine Dampfmaschine abgebildet und beschrieben. Aus einer Fünf Liter Ölkanne habe ich mir dann einen Dampfkessel angefertigt. Alles in der Mittagszeit und nach Feierabend. Mein Vater durfte da nichts von wissen. Eines Mittags hab´ ich den Kessel über dem Schmiedefeuer ausprobiert. Es klappte. Ich hatte schon Spaß, da hörte ich, wie mein Vater mit seinen Holzschuhen über die Tenne in die Schmiede kam. Ich schnell den Kessel in das Kühlfass eingetaucht, ein Knall, ein Zischen und mein Kessel war hin.

Aber ich fing von neuem an zu bauen. Nach Wochen hatte ich dann alles fertig und eines Mittags lief die Maschine endlich. Ich hatte Freude und mein Vater hat sich dann auch gefreut. Es war die erste Maschine, die ich gebaut habe. Nachher hat sie ein Freund von Hüsten bekommen. Die zweite Maschine, die ich gebaut habe, hab´ ich heute noch auf dem Schmiedeboden. Diese Maschine macht 1.100 Umdrehungen.

Nach meiner Lehrzeit bin ich als Geselle in Plettenberg II bei Siepmann tätig gewesen vom 15.09.1921 bis 15.02.1922 (Schmiede und Wagenbau). Ich bekam einen Wochenlohn von 7,50 Goldmark.

Von Februar 1922 bis August 1923 war ich zu Hause bei meinem Vater in der Schmiede. In dieser Zeit baute Tillmann Niedernhöfen einen neuen Pferdestall ganz aus Eisen. T-Eisen, U-Eisen und Rohre mussten alle mit der Handsäge durchgeschnitten werden. Maschinen und Autogenschweißapparate kannte man noch nicht. Tagelang nur schneiden.

1923 kam auch schon die Geldentwertung. Dem Bauer Klüppel hatten wir im August einen neuen Ackerwagen gebaut. Die Schmiedearbeiten an dem Wagen betrugen 1,4 Millionen Goldmark. Von September 1923 war ich bei einem Schmied Stork in Affeln beschäftigt. Im Oktober 1923 hatte ich einen Wochenlohn von Zwei Milliarden. Am Samstag bekam ich mein Geld. Am folgenden Montag konnte ich in dem Geschäft Gierse gerade noch ein Paket Tabak dafür kaufen. Am 10. November 1923 kam dann die neue Währung. Aus Goldmark wurde Rentenmark. Wir hatten nach Neuenrade ein Schwein verkauft, der Mann arbeitete auf der Sparkasse in Neuenrade. Ich musste das Geld in Neuenrade abholen, bekam den Wert aber merkwürdigerweise in Viertel Dollarscheinen. Mir war nicht wohl, meinem Vater auch nicht) als wir mit dem Geld nach Affeln zur Kasse gingen, um nachzufragen. Aber es war wohl alles in Ordnung mit dem Geld.

Von 1913 - 1915 kostete ein Pferd zu beschlagen mit vier neuen Eisen mit Griffen und Stollen vier Goldmark. An die Goldstücke 10 + 20 Markstücke kann ich mich noch gut erinnern.

Vom 01. April 1924 bis 01. April 1925 war ich in Plettenberg in einer Schmiede und Autoreparaturwerkstatt bei einem Schmiedemeister Muht beschäftigt. Wochenlohn 13 Rentenmark.

Im Sommer 1924 hab´ ich das erste Motorrad und Auto gefahren. Das Auto war ein zweisitziger Adler Wagen mit Karbidbeleuchtung.

Mein Meister hatte auf dem Boden noch einen Benzinmotor liegen; Baujahr 1913; Marke "Cyklon"; 500 ccm. Diesen Motor habe ich von meinem Meister erhalten und in Überstunden verdient. Im Frühjahr 1925 hab´ ich von dem Motor eine Gartenfräse gebaut. Der Rahmen war aus Winkeleisen, das Antriebsrad war aus Holz (30 cm Durchmesser, 10 cm breit). Das Rad hatte mir mein Onkel der Stellmacher angefertigt. Den Eisenreifen hatte ich mit kurzen Winkelstücken aufgenietet, damit das Rad besser im Boden greifen konnte. Von einem alten Pferderechen hab´ ich die Stahlzinken genommen, als Federnzinken umgearbeitet und an die Fräse gebaut. Der Antrieb wurde mit einer Motorradkette bewerkstelligt. Die Maschine war fertig. Zum ausprobieren fuhr ich in unseren Garten. Es klappte sofort. Ich hatte schon Spaß, aber nicht damit gerechnet, dass ich den Rabarbar mitfräsen würde. Meine Mutter klopfte an das Fenster, kam in den Garten und ich bekam ordentlich Schimpfe. Aber es ging weiter.

Dieselbe Maschine wurde als Rissepflug und Anhäufelpflug verwendet. Auch das klappte. Von Morgens um halb 5 - 7 Uhr und des Abends von 7 Uhr bis zum Dunkelwerden hab´ ich für die kleinen Bauern die Kartoffeln und Runkeln verarbeitet. Von dem Geld, was ich damit verdiente, hab´ ich mir Räder und Reifen für das Motorrad gekauft. Den Rahmen für das Motorrad hab´ ich wieder aus Winkeleisen gebaut, alles ohne Schweißapparat. Aber das Motorrad lief und ich fuhr damit bis nach Balve. Einmal erwischte mich die Polizei. Sie schaute sich das Motorrad an, lachte und sagte zu mir, ich solle aber nicht wieder in Balve fahren. Strafe gab es keine.

Von Juli 1925 bis November 1925 war ich dann bei einem Schmiedemeister Ries in Oberelspe als Geselle tätig. Der Meister war krank und musste ins Bad. Ich hab´ seine Stelle vertreten, Wochenlohn 27,50 Mark.

Im Jahr 1926 war ich in Recklinghausen (Ruhr) bei einem Hufschmied "Goldmann" beschäftigt. Wochenlohn 3 Mark. Als ich dort aufhörte und mit der Bahn nach Hause fuhr, da hatte ich in Balve noch 1,17 Mark im Portemonnaie.

Im Jahre 1927 war ich von Juli bis Dezember als Geselle in Halle bei einem Schmiedemeister "Inderwisch" tätig. Wochenlohn 19,50 Mark.

Von Dezember 1927 hab´ ich dann zu Hause gearbeitet. Mein Vater war da schon 64 Jahre alt.

Am 02 April 1929 hab´ ich mich verloobt.

Am 02 Juli 1929 hab´ ich in Arnsberg meine Meisterprüfung abgelegt.

Am 04. Februar 1930 hab´ ich von meinem Vater das Geschäft übernommen.

Am 08. Oktober 1930 haben wir (Johanna Driller) geheiratet.

Wir haben sieben Kinder:

Josef geboren am 10.05.1933 - verheiratet am 19.09.1954
Mathilde geboren am 10.03.1935 - verheiratet am 26.06.1957
Regina geboren am 17.09.1936 - verheiratet am 29.05.1959
Klemens geboren am 05.10.1938 - verheiratet am 22.01.1964
Hubert geboren am 18.04.1940 - verheiratet am 28.07.1967
Bernhard geboren am 04.12.1941 - verheiratet am 15.06.1966
Johanna geboren am 20.11.1943 - verheiratet am 19.08.1966

Im Jahre 1932 hab´ ich den ersten Traktor gebaut. Die Vorderräder waren von einem Pflug, Achse und Federn selbst genietet. Die Steuerung war ein Winkelgetriebe von einer Waschmaschine. Hinterräder und Getriebe waren aus einer alten Albion Mähmaschine. Der Motor war ein 3/15 Wanderer Automotor. Das Bild von dem Traktor hab´ ich heute noch. Es ist von einem Oberingenieur von Siemens gemacht worden mit der Bemerkung: "Das Dorfwunder 1932". Diesen Traktor hab´ ich nach Dortmund verkaquft. Später hab´ ich noch zwei Traktoren gebaut. Einer davon ist nach Plettenberg Pasel verkauft worden. Er war schon mit einem Dieselmotor ausgestattet. 1930 bis 1935 waren arme, schlechte Zeiten. 1933 kam Hitler an die Regierung. Parteigenosse bin ich nicht gewesen, hab´ dafür auch viele Nachteile gehabt.

1934 hab´ ich den ersten Gummiackerwagen gebaut. Ich war der erste Schmied in dieser Gegend, der Gummiwagen baute. Nachweislich habe ich über 110 Gummiwagen und Karren gebaut.

Im Jahre 1934 wurde die Rentenmark in Reichsmark umgetauft. In dem Jahr 1934 hab´ ich in der Schmiede Kraftstrom angelegt, Maschinen und den ersten Autogenscheißapparat gekauft.

1937 wurde hier in Blintrop die neue Volksschule gebaut. Die Erdarbeiten wurden von der Gemeinde selbst ausgeführt. Maurerarbeiten hat ein Bauunternehmer Gärtner von Garbeck gemacht.

1939 hab´ ich die heutige Schmiede angebaut. In demselben Jahr begann auch der Zweite Weltkrieg. Soldat bin ich nicht gewesen. Ich wurde von unserer Handwerkskammer reklamiert. 1943 starb mein Vater. Meine Mutter, Vater und ich waren in keiner Krankenkasse. Wie ich das finanziell alles geschaft habe, ist mir heute noch ein Rätsel.

Im Januar 1944 wurde ich noch zum Milchfahren mit einem 3/4to Ford - Holzvergaser verpflichtet. Morgens von 5 Uhr bis Mittags halb 2 Uhr. Ich musste die Milch von Neuenrade nach Balve fahren. Das waren jeden Tag drei Fahrten. Nach dem Milchfahren musste ich dann für die Landwirtschaft die Maschinen reparieren und Pferde beschlagen. Oder ich hatte am Morgen in Balve scohn einen Fahrbefehl vom Amt bekommen, um Kohlen, Kunstdünger, Lebensmittel oder Maschinen von Dortmund, Unna, Hamm, Gevelsberg, Hagen, Wuppertal oder Bochum zu fahren. Wegen der feindlichen Flieger war das nicht immer angenehm. Von der Molkerei in Balve war ein Milchwagen durch Fliegerbeschuß ausgefallen, und ich musste mit dem Wagen die Milch abholen. In Eisborn wurden wir von feindlichen Fliegern beschossen. Kühler, Windschutzscheibe und Vorderreifen waren hin. Gegen Lebensmittel wie Eier, Butter und Speck hab´ ich mir andere Reifen besorgt. Das letzte Halbjahr 1944 - 45 gab es bei uns nur noch Maisbrot. Es sah wunderbar aus, aber essen konnte man es kaum. Ich hatte auch einen polnischen Gefangenen in der Schmiede. Wir haben mit unserer Familie in der Woche 14 bis 15 Brote á 5 Pfund gegessen. Dem Bäcker Schirp bin ich heute noch dankbar. Ich bekam von Ihm immer etwas mehr auf unsere Brotmarken. Sämtliche Lebensmittel, wie Zeug, Schuhe und Seife gab es nur gegen Marken oder Scheine, die vom Bürgermeister ausgegeben wurden.

Am 12. April 1945 kamen nach uns die Amerikaner. Der Krieg war aus. Bei uns gegenüber in der Schule war der Komandant einquartiert. Müers und wir mussten unser Haus auch verlassen. Wir kamen acht Tage nach Klüppel zu wohnen. Feuergefechte fanden hier auch statt. Die deutschen Geschütze standen hinter Garbeck im Balver Wald und schossen nach hier. Wir mussten noch oft in den Keller.

Zwei amerikanische Soldaten sind hier auch noch gefallen. Ein amerikanisches Flugzeug wurde abgeschossen. Teile von dem Flugzeug lagen in dem Raum Küntrop bis Affeln zerstreut umher. Die Scheune von Sasse-Kuschert wurde auf Karfreitag in Brand geschossen und brannte restlos ab. Löschen war nicht möglich, weil immer wieder feindliche Flieger anflogen.

Als wir nach acht Tagen wieder in unser Haus heimkehren konnten, sah es furchtbar aus. Jede Schublade war untersucht und durchgewühlt worden. Uhren und Wertsachen waren verschwunden.

Von 1945 bis 1948 konnte man Eisen und Ersatzteile nur noch gegen Lebensmittel bekommen. Ich war manche Nacht mit dem Lastwagen unterwegs. Von Bottrop hab´ ich mir die Schmiedekohlen besorgt. Nur gegen Speck und Butter. Ich hatte noch einen Wagen (Holzvergaser) und unter dem Tankholz hatte ich Speck liegen. Auf einer nächtlichen Fahrt kurz hinter Dortmund wurde ich von der Polizei kontrolliert. Es hat mir Spaß gemacht, wie der eine Polizist auf dem Wagen war und auf dem Speck herum trampelte und ihn dennoch nicht fand.

Nach Fröndenberg. Für einen Bauern musste ich ein geschlachtetes Kalb nach Fröndenberg bringen. Der Bauer bekam dafür Ziegelsteine. Auf der Ruhrbrücke in Fröndenberg stand die Polizei. Es war Morgens um 4 Uhr 30. Der Bauer wurde schon nervös. Ich fuhr an der Polizei heran, grüßte freundlich und erkundigte mich nach der Ziegelei. Ich wusste aber den Weg. Ich bedankte mich und fuhr mit unserem Kalb weiter. Ich könnte von diesen Hamsterfahrten noch viele aufzeichnen.

Das Geld hatte keinen Wert mehr. 10 Zigaretten (Camel) kosteten 50 Mark. Alles nur auf dem Schwarzmarkt. Zeug, Schuhe und Lebensmittel gab es nur gegen Lebensmittel oder Wucherpreise. Im Juli 1948 kam die neue Währung. Wir von Blintrop mußten an einem Samstag nach Küntrop und bekamen für unsere Reichsmark - Deutsche Mark. Es kamen schlechte Jahre. Arbeit gab es kaum. Keiner hatte Geld. Ich bin mit dem ältesten Sohn in den Wald gegangen und habe für einen Bauern Holz geschlagen, um ein paar Mark zu verdienen. Sieben Kinder hatten wir, und alle wollten leben und auch Zeug haben. Ein Sohn von mir kam Ostern aus der Schule und bekam einen neuen Anzug. Im September war der Anzug zu klein und ich musste noch mal einen Anzug kaufen. Alle sieben Kinder haben einen Beruf erlernt und was die an Geld verdient haben, da konnten wir kaum das Essen für kaufen. Stundenlohn für mich als Meister war 2,50 Mark.

Im Jahre 1952 wurde hier in Blintrop die Wasserleitung angelegt. Mit dem Klempner Schulte von Affeln haben wir gemeinsam die Rohre verlegt. Der Verdienst wurde etwas besser.

Am 09.02.1955 ist meine Mutter gestorben. Sie ist 87 Jahre alt geworden. Im Oktober 1959 mußte ein Sohn von mir (Klemens) Soldat werden. Die Arbeit in der Schmiede wurde immer weniger. Pferde beschlagen fast gar nicht mehr.

1960 hab´ ich mich entschlossen, für die Industrie zu arbeiten. Wir machten Massenartikel (Schmiedestücke) in Lohnarbeit, später auf eigene Rechnung. Ich musste aber erst drei Fallhämmer, Pressen und Maschinen kaufen und aufbauen. Gesamtpreis 28.000,00 Mark ohne Eigenleistung. Ich hab´ wegen Sorgen manche Nacht nicht schlfen können.

Am 15. Februar 1966 hab´ ich in Arnsberg eine schwere Magenoperation mitmachen müssen. Neun Wochen hab´ ich in Arnsberg im Krankenhaus gelegen.

Am 01. Januar 1967 hab´ ich das Geschäft meinem Sohn Bernhard übergeben, weil ich es wegen meiner Krankheit und wegen meines Alters nicht mehr schaffen konnte. Seitdem mache ich nur noch Kunstschmiede und leichte Arbeiten.